Was tut eigentlich ein Posaunenchor?

Posaunenchöre sind aufgrund ihrer erst ca. 150-jährigen Geschichte eine vergleichsweise neue Form der Gemeinde- und Jugendarbeit. Sie schaffen es, junge Leute relativ regelmäßig in die Kirche zu bringen und durch das Sozialleben innerhalb des Chores über längere Zeit oder das ganze Leben lang an sie zu binden.

Posaunenchöre sind Begleiter im Leben. Sie sind da, wenn ihre Musik ein festliches Ereignis umrahmt. Sie sind da, wenn fröhlich gefeiert wird. Sie trösten in schweren Zeiten. Musik rührt an das Innerste im Menschen. Musik dringt ohne Umwege in das Herz.

Und bis heute hat ein Posaunenchor, wenn auch abgeschwächt, eine "volksmissionarische Aufgabe". Er spielt zur öffentlichen Verkündigung von Gottes Wort. Auch dann, wenn er trotz des Glühweintourismus auf einem Weihnachtsmarkt spielt, auf öffentlichen Straßen und Plätzen oder in "freier Wildbahn" und sich hierfür zuweilen ziemlich abmüht. Er bläst das Evangelium über die Ohren in das Herz. Ohne Forderung an die Zuhörenden. Ohne moralische Appelle. Ohne Zwang zur Gewissenserforschung. Posaunenchöre wollen Gott loben, Menschen erfreuen, zusammenbringen, seelisch erheben. Wo die Sprache ihre Grenzen hat, da öffnet die Musik noch Räume. Zu den diakonischen Tätigkeiten gehören Ständchen bei älteren Gemeindegliedern, zu Ehejubiläen, das Spiel in Seniorenheimen oder einfach überall dort, wo wir Bläser annehmen, dass Menschen sich darüber freuen.

Es wird langsam klar, dass ein Posaunenchor nicht nur missionarisch und diakonisch, sondern auch in dritter Hinsicht ein Chor ist: Er besitzt Chorgeist, nicht nur wie sonst unter musikalischem, sondern gerade unter gesellschaftlichem Aspekt. Immer stärker und unumstrittener ist ein Posaunenchor eine Vereinigung, die Konzerte gibt, musiziert, sich mit Musik präsentiert. Dies beinhaltet die Möglichkeit, ein größeres Publikum zu erreichen und noch mehr Menschen zum Mitmachen zu bewegen. Und das gemeinsame Musizieren mit anderen hat weitere bemerkenswerte Wirkungen. Ein Posaunenchor trifft sich nicht nur, um in der Kirche fromme Liedchen zu spielen, nein, gelacht werden darf und soll auch. Ein Chor funktioniert heutzutage wie ein Verein.

Der Posaunenchor beim Maikonzert 2007

 

Diese soziale Komponente wirkt nach außen wie nach innen. Gemeinsame Unternehmungen sind obligatorisch, auch wenn man nicht mehr so häufig in Matratzenlagern schläft wie früher. Aber man ist doch eine eingeschworene Gruppe von Menschen jeden Alters, die miteinander einiges unternimmt, verreist, zusammensitzt, feiert. Die 8-jährige Anfängerin sitzt neben dem 88-jährigen Altbläser, der Schüler neben dem Studenten, der Arbeiter neben dem Akademiker, der Arbeitslose neben dem Unternehmer, der Protestant neben dem Katholiken.

Wir sind eine Familie. Alle gehören zusammen. Alle sind gleich.

Lobet den Herrn mit Posaunen!